Luis Stabauer

nahostunser         

 
die wirklich schönen aus syriens garten
gehorsam, zierlich und helle haut  
missbrauch, fremde und verwahrung warten  
                                                                                
im vogelflug, freiheit neu ersonnen
zum aufbruch boot und bahn genommen 
die wirklich schönen aus syriens garten          

 
ob sunniten, alawiten, christen
männer erstellen ihre listen
missbrauch, fremde und verwahrung warten  

 
am weg zum meer die reize gut verstaut
das elend der heimat macht sie zur braut
die wirklich schönen aus syriens garten

 
helfer geifern, betrug und mord 
lachen, feiern die gewinne an bord                 
missbrauch, fremde und verwahrung warten  


macht der männer, alte rache               
angst und käfig rauben ihre sprache
die wirklich schönen aus syriens garten
missbrauch, fremde und verwahrung warten 
 

 

Der fettarsch – ballade

der fettarsch schwingt den schläger,
die perücke scheint zu fliegen.
machtgeiler spieler und jäger,
freund und feind besiegen.

der ball im gras bleibt liegen.
erzürnt wirft er den schläger weg
alles, alles will er kriegen
mein wille sei es, ruft er keck

der fettarsch jetzt am mikrophon,
die perücke scheint zu fliegen.
mit hohlen worten, rauem ton
freund und feind besiegen.

wie im himmel so auf erden.
gott hat es vorherbestimmt
wir müssen alle gläubig werden
das böse sonst an macht gewinnt

der fettarsch hebt die hand,
den Mund geformt zum anus
worte haben nicht bestand,
es ist der kopf des janus

lasst uns die waffen segnen
freiheit, die wir machen
wenn feinde uns begegnen,
bumm, die waffenhändler lachen

der fettarsch schürt im osten,
den mund geformt zum anus
opfer wird es kosten,
es ist der kopf des janus

dem bösen beugen wir uns nicht
bei Gott, er wird uns helfen
jagen, meucheln unsre pflicht
beklatscht von meinen elfen

der fettarsch seine schäfchen zählt,
den mund geformt zum anus
von macht und reichtum ganz beseelt,
es ist der kopf des janus

ich werd mir neue länder krallen
es helfe mir auch twitter
bomben werden weiter fallen
ich bin der neue ritter

der fettarsch jetzt am hügel steht,
zählt verzückt die toten
fortschritt dort als fahne weht
es waren die letzten roten

 

pflanzen              

pflanzen

pflanzen pflanzen

pflanzen pflanzen dich

pflanzen pflanzen dich mit

pflanzen pflanzen dich mit erde

pflanzen pflanzen dich mit erde ein

pflanzen wurzeln sich mit erde fest 

pflanzen wurzeln sich mit erde ein

pflanzen wurzeln sich mit erde

pflanzen wurzeln sich mit                     

pflanzen wurzeln sich

pflanzen wurzeln

pflanzen

sommerende 

 

in sachsen wandern, elbe sehen           
im wald den steilen aufstieg gehen       
eierschecke, sauerbraten                     
frische luft und wanderkarten                          

im garten wehen deutsche fahnen
fremde an der grenze mahnen
nach der wende west betört       
der ort vom wasser oft zerstört

schandau, pirna, königstein        
alte städte, frischer schein          
burgen, häuser, neu erstehen               
auslagen in brüche gehen                    

mit kahlem kopf und runenzeichen
großen bizeps, kinder weichen
abgefackelt und verjagt
ehr und deutschtum angesagt

ob stasizellen, flüchtlingswellen
hunde ihr vergessen bellen
In bauzen noch ermahnung brennt
die freiheit keine grenzen kennt  

auch sie war eine von da drüben
heute kann sie männer fügen
herz und mut die rechten schelten
worte auch den braven gelten               

das alte leben aufrecht halten
mit heimatliebe ausgestalten      
attraktive lieder singen
mit geistern fremdes niederringen

Ein Tagebuch Gedicht

Erinnerung, du bist noch da
Dein Sinn, versteckt, verkleidet, niedergeknüppelt
Die Erwartungen in den Augen der Kinder,
ob es schneien wird, ob das Christkind wirklich angeflogen kommt?
Der Schnee am Weg zur Mette stöhnt unter unseren Schritten,
die Turmbläser berühren mich mit ‚Stille Nacht’
Wer hört meine Wünsche?
Was kann ich tun,
damit du mir Flügeln machst, Erinnerung
 

sonnenblau

sonnenblau vor kriegsgeheul
vögel bringen schluchten
vater fliegt mit mutter weg

sonnenblau vor kriegsgeheul
fische fliegen tag und nacht
krokodile halleluja schreiben

sonnenblau vor kriegsgeheul
Ärsche, Köpfe, Flammenmeer
versteckt, vergraben, aufgewacht

 
(Die Max Ernst Ausstellung besucht, 2013 in Wien)