Luis Stabauer

Der fettarsch – ballade

der fettarsch schwingt den schläger,
die perücke scheint zu fliegen.
machtgeiler spieler und jäger,
freund und feind besiegen.

der ball im gras bleibt liegen.
erzürnt wirft er den schläger weg
alles, alles will er kriegen
mein wille sei es, ruft er keck

der fettarsch jetzt am mikrophon,
die perücke scheint zu fliegen.
mit hohlen worten, rauem ton
freund und feind besiegen.

wie im himmel so auf erden.
gott hat es vorherbestimmt
wir müssen alle gläubig werden
das böse sonst an macht gewinnt

der fettarsch hebt die hand,
den Mund geformt zum anus
worte haben nicht bestand,
es ist der kopf des janus

lasst uns die waffen segnen
freiheit, die wir machen
wenn feinde uns begegnen,
bumm, die waffenhändler lachen

der fettarsch schürt im osten,
den mund geformt zum anus
opfer wird es kosten,
es ist der kopf des janus

dem bösen beugen wir uns nicht
bei Gott, er wird uns helfen
jagen, meucheln unsre pflicht
beklatscht von meinen elfen

der fettarsch seine schäfchen zählt,
den mund geformt zum anus
von macht und reichtum ganz beseelt,
es ist der kopf des janus

ich werd mir neue länder krallen
es helfe mir auch twitter
bomben werden weiter fallen
ich bin der neue ritter

der fettarsch jetzt am hügel steht,
zählt verzückt die toten
fortschritt dort als fahne weht
es waren die letzten roten
 

Funkhaus Anthologie

nachtbilder

intrada, schon gehört
du holde kunst, erfüllte zeit
radiokunst begehrt
poesie, zeitton, leben heut

zeitgenossen, leporello
geld und gier, trost und rat
help, das magazin, pasticcio
gedanken für den tag 

betrifft, gehört, gewusst
texte, neue literatur
da capo, der verlust
momente, leben der natur

radiodoktor, nachtquartier
hörspielstudiokunst
exlibris, menschen vor der tür
kulturcafé im dunst

eins, wissen aktuell
kultur und dimensionen
ambiente als rebell
alex: politik mit drohnen

Hiddensee

(er)lebe ich

Die Nazis überlebt
Stasi geboren
Den starken Mann gesucht
Feinde erkoren

Fremde Haut und Sprache
Sie spüren euch nicht
Häuser müssen brennen
Und zeigen ihr Gesicht

Ach Kinder der Freiheit
Mitleidgetrieben
Kaufen, gechillt, gekauft
Träume geblieben

Das Ich wird gestohlen
Verhindert das Du
Die Würde des Menschen
Gestorben, schaut zu

Das Glitzern der Ostsee
Vom Westwind gemacht
Kindertod im Süden
Europa gib acht
 

Strandmelodien

Hunde Freiheit bellen
Menschen vertrieben aus ihrem Land 
Ein Kommen und Gehen in Wellen
Muscheln werden zu Sand

Ein Tagebuch Gedicht

Erinnerung, du bist noch da
Dein Sinn, versteckt, verkleidet, niedergeknüppelt
Die Erwartungen in den Augen der Kinder,
ob es schneien wird, ob das Christkind wirklich angeflogen kommt?
Der Schnee am Weg zur Mette stöhnt unter unseren Schritten,
die Turmbläser berühren mich mit ‚Stille Nacht’
Wer hört meine Wünsche?
Was kann ich tun,
damit du mir Flügeln machst, Erinnerung  

sonnenblau

sonnenblau vor kriegsgeheul
vögel bringen schluchten
vater fliegt mit mutter weg

sonnenblau vor kriegsgeheul
fische fliegen tag und nacht
krokodile halleluja schreiben

sonnenblau vor kriegsgeheul
Ärsche, Köpfe, Flammenmeer
versteckt, vergraben, aufgewacht

 
(Die Max Ernst Ausstellung besucht, 2013 in Wien)